Der große UWSTEN

Ein Kippschalter klickt, gleich zu Anfang schaltet er das Sprachzentrum in einen anderen Modus um. Eintauchen in eine Röhre – das Tier-Hirn unter den Windungen erwacht, als habe es nie geschlafen. Ein Kaleidoskop ist es, das sich mit mir Lesetierchen darin zu drehen beginnt. Im Kreisen der Mosaikpartikel ergeben sich Muster, die Klappersteinchen machen meine Sehorgane zu Tier-Augen – und Sprache verliert ihre Worte, wächst zu Lauten und Traumgeräuschen und Formationen aus parallelen Welten.

Bilder, schwellende Unterwasserblüten sowie explodierende Buchstabenquallen. Töne sogar mancherseits. Verdrehungen winden sich in halblaut Gelesenes, Holzwürmer im Reigen, wo bleibt der Verstand? Es braucht ihn nicht, es geht viel besser mit den Katzenohren zuzuhören, mit der Affennase hineinzuriechen, bis man die Sprache schmeckt im Wahrnehmen der Visionen. Ein Kippschalter klickt, gleich zu Anfang schaltet er das Sprachzentrum in einen anderen Modus um. Eintauchen in eine Röhre – das Tier-Hirn unter den Windungen erwacht, als habe es nie geschlafen. Ein Kaleidoskop ist es, das sich mit mir Lesetierchen darin zu drehen beginnt. Im Kreisen der Mosaikpartikel ergeben sich Muster, die Klappersteinchen machen meine Sehorgane zu Tier-Augen – und Sprache verliert ihre Worte, wächst zu Lauten und Traumgeräuschen und Formationen aus parallelen Welten. Bilder, schwellende Unterwasserblüten sowie explodierende Buchstabenquallen. Töne sogar mancherseits. ‧Verdrehungen winden sich in halblaut Gelesenes, Holzwürmer im Reigen, wo bleibt der Verstand? Es braucht ihn nicht, es geht viel besser mit den Katzenohren zuzuhören, mit der Affennase hineinzuriechen, bis man die Sprache schmeckt im Wahrnehmen der Visionen.

Auf einzelne Stücke möchte ich hier nicht eingehen, denn bei jedem erneuten Lesen platzen anders geartete Visionen in meine Gedanken. Daher lese ich immer wieder aufs Neue und überlasse mich jedes Mal in frischer Geduld der Wirkung. Nur als Beispiel «Igelschrift» (S. 27): Diese Seite hat ihr Eigenleben wie Stahlstifte aus dem Papier geschleudert (ähnlich denen von Magnet-Experimenten in der Schule wirkten sie zunächst auf mich). Machtlos ließ ich die Wirkung auf meinen ‧Augen brennen, seltsamste Worte bildeten sich ungefragt. Nach einer Viertelstunde ließ das Ganze gottseidank nach. Vorsichtig sollten folglich Autoren/innen bei der Lektüre sein, denn UWSTEN ist die Eintrittskarte, scheint die Erlaubnis darzustellen, selbst ein paar Zeilen in dieser Art zu schreiben.

Kaum derart befreit, geschieht das Mirakel. Doch die Crux: man gibt den so entstanden Text einem Leser – und er tut, was er tun muss: vertieft sich in das Ganze, ärgert sich, denn er muss einem folgen, indem er halblaut nachvollzieht, was in dem Schreiber da geschah. Die Folge ist womöglich Ärger, denn wer wagt sich gern mit eigener Stimme, eigenen Sehorganen und eigenen Wackel‧füßen auf Eis, das womöglich dünn ist, den Blick nach unten zieht ins Gurgelnde und dümpelnde Grün einer Unterwasserwelt, in die Gefahr? Kaum Einer. Fazit: Lesen genügt, Nachmachen auf eigene Gefahr. Benommen entronnen, erfreue ich mich an scheinbar Normalem wie Radiomusik oder Leuchtschrift und Autokennzeichen, denn all das suggeriert Sicherheit im Denken, das nicht mehr ist was es war vor dem «UWSTEN». Lisa Weichart

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