Manchmal ist das Leben schon gemein

Geschrieben von Karabin Oljoschin am .

 

Manchmal ist das Leben schon gemein. Da geht einem sonntags das Bier aus und der lustige Betreuer schlägt einen Biergartenbesuch vor. Bis dahin war die Welt noch in Ordnung. Der listige Lurch wollte mich aber nicht mit der Kutsche in besagten Garten bugsieren. Meiner Gesundheit wäre das Fahrrad „zuträglicher“, meinte er. Ich habe das natürlich für einen Scherz gehalten und meine Ausgehuniform übergeworfen. Als ich vor die Haustüre trat, stand da tatsächlich mein Fahrrad. Der Betreuerfaschist meinte das ernst!!!!

Das Rad hab ich letztes Jahr von einer Nachbarin geschenkt bekommen, der Benutzung wollte ich allerdings fern bleiben. So fern wie möglich.

Der Plan hatte bis zum gestrigen Tage gut funktioniert, aber jetzt bekam ich auch langsam Durst. Ich schwang mich also auf das Damenrad und krachte gegen 'ne Biotonne, 'nen Gartenzaun und 'nen Autospiegel. Nach dem Spiegel hatte ich mein Gefährt einigermaßen im Griff. Den Spiegel musste ich mitnehmen. Waren Lackspuren dran und Fingerabdrücke. Also abgetreten das Ding und hopp in den Rucksack.

Nun radelten wir gemütlich vor uns hin, als mir nach 175,3 Metern plötzlich die Puste ausging. Dem Herzinfarkt nahe, gönnte man mir ein kleines Päuschen. Eigentlich wollte ich mich noch übergeben, aber für solche Spielereien hatten wir keine Zeit.

Juhu, jetzt ging es leicht bergab. Ich war der Held vom Radweg, der Herrscher der Pedale, Täve Schur für arme. Bis mich so ne hornalte Schachtel auf 'nem Elektrofahrad überholte. „Betrug!“ schrie ich. „Die betrüüücht!!!“ Weiter kam ich nicht; der zweite Infarkt nahte. Leider war die folgende Reanimation nicht tödlich. Ich wollte einfach nur sterben. Dies lies das Betreuerli nicht zu und quälte mich weiter Richtung Ausschankstelle. Nach gefühlten 1000 km knallte ich in ein Schlagloch. Dabei kam mir mein Hörgerät abhanden. Jetzt war ich zwar taub, aber ich konnte in der Ferne das Kloster erspähen, in dem der Biergarten wohnen sollte. Wie so viele Klöster lag auch dieses auf einem prächtigen Berg. DAS hatte man mir natürlich verschwiegen!!! „Du krankes Arschloch!!!“ rief ich meinem Betreuungsmonopolisten harsch entgegen, stieg vom Rad und schob die Karre diesen zugspitzartigen Berg hinauf.

Zum Glück hatten wir schönes Wetter und der Biergarten war hoffnungslos überfüllt. Rentner mit Kaffee und Kuchen blockierten meine dringend benötigte Sitzgelegenheit. Die Elektroradkuh schlürfte 'nen Eiskaffee. Darüber konnte ich mich jetzt aber nicht aufregen. Ich war fix und fertig. Meine Klamotten waren völlig durchnässt, der Puls lag bei geschätzten 97 Mio, ich hörte nix und ich war am Verdursten. Letzteres erkannte man rechtzeitig und man brachte mir einen Liter herrlichster Hopfenkaltschale. Was für eine Wohltat. Setzen konnten wir uns jetzt auch, da sich ein Bus mit diesen Scheintoten verabschiedete. Nachdem mein Elektrolythaushalt wieder auf Normalmaß angeschwollen war, krachte mir der Alkohol in die Birne. Ich werd dann immer furchtbar mutig. Also zerstach ich kurzerhand die Elektroradreifen. Unsere Flucht ging größtenteils bergab, so dass die motorbetriebene Hexe keinen Vorteil hatte. Die versuchte uns nämlich trotz platter Reifen mit einer Verfolgung zu belästigen, war aber damit recht erfolglos.

Irgendwie sind wir dann irgendwann nach Hause gekommen. Den zweiten Außenspiegel der verhunzten Karre muss ich auch noch abmontiert haben. Jedenfalls lag der heute früh in meinem Rucksack.

Fazit: Niemals bei schönem Wetter in den Biergarten fahren. Die rechnen da nicht mit Besuch und am nächsten Tag tut dir höllisch der Arsch weh.

Foto: Volker