Dienstag musste ich zum Hörarzt

Geschrieben von Karabin Oljoschin am .

Bus

 

Dienstag musste ich zum Hörarzt, weil meine Löffel nich mehr so gut lauschen. Da meine Umwelt natürlich den Termin verschwitzt hatte, musste ich mit so 'nem Rentnertaxi auf AOK Basis zum Doc gondeln.

Wat für 'n Spaß. Lauter alte, beknackte Menschen, alle mit Schmerzen und Wehwechen. Die karren die dann mit so 'nem Kleinbus von Arzt zu Arzt. Eine herrliche Truppe. Da ist zum Beispiel der demente Horst. Den begrüße ich immer mit „Na Adolf, alte Socke.“ Wenn er seine Medikamente genommen hat, erwidert er meistens sehr gereizt „Horst! Ich heiße Horst!“

„Das denkst aber auch nur du, Dieter.“ Horst ist jetzt verwirrt und hält die Klappe.

Hilde sitzt im Rollstuhl. Ihr trete ich immer mit voller Wucht zärtlich gegen das Schienbein und schreie ihr „Immer noch kaputt, wa?“ in den Gehörgang. Hilde is nämlich fast so taub wie ich. Mein ganz spezieller Freund ist Gunter. Der is blind und fährt immer zum Männerarzt. Ich setze mich stets neben Gunter, halte ihm die Augen zu und kneife dabei Hilde ordentlich ins Genick. Ein lautes „Aua, du Arschloch“ schallt durch die Karosse. Gunter brüllt: „Wer ist da?“ Ich schreie: „Adolf!“ und Horst klingt sich mit einem „Anwesend!“ in den Reigen ein.

Ich mag die alten Säcke. Und Hilde.

Gestern war aber noch ein unbekanntes Wesen in dem Taxi anwesend. Karin oder Kathrin oder so, erfuhr ich von der tauben Hilde. Da die Schickse gar nich mal übel aussah, hab ich die natürlich angequatscht. Großer Fehler. Ganz großer. Die Alte nuschelte furchtbar. Ich verstand irgendwas mit Prostata, Kleid zerstochen und ihr wäre nach scherzen. Gut, dann war das wahrscheinlich ne lustige Transe mit kaputten Klamotten. Das Gespräch beendete ich mit den Worten: „Dann halt dich an Gunter, dem brummt auch der Arsch.“

Da ich Jörg den Taxidriverjob versorgt hatte, durfte ich auf dem Beifahrersitz mein Fahrbier genießen. Die sonst so nette Begrüßung fiel gestern aus. Jörg musste etwas derart belustigt haben, dass er vor Lachen kaum reden konnte.

„Alter, Deine Ohren sind ja tot. Was hast du denn bei Gabi verstanden?“ Jörg hatte sich gefasst. „Welche Gabi?“

Nach einigem Hin und Her wurde mir klar, dass er Karin meinte.

Wie mir Jörg dann versicherte, kam die Gabikarin aus Portugal, hatte sich das Bein gebrochen und litt unter Schmerzen. Tja, hätte die mal nich so genuschelt, wären wir bestimmt noch auf ein paar Halbe versackt. Blöde Kuh.

Den Hörarzt musste ich dann übrigens noch ins Knie beißen, da er mir das Ohr ausgesaugt hat. Das waren vielleicht Schmerzen. Dagegen waren Gunters Abtastgeschichten auf Rückfahrt der reinste Kindergarten.

Foto: Jörg